Thema

Vakzinologie

Elektronischer Impfpass: Was ist geplant?

Jatros, 21.09.2017

Interview-Partner:
Gesundheitsministerin Univ.-Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner
Bericht:
Norbert Hasenöhrl

Infektiologie

Gesundheitsministerin Univ.-Doz. Dr. Pamela Rendi-Wagner gibt im Interview mit JATROS Infektiologie Auskunft über die derzeitigen Pläne zur Einführung eines elektronischen Impfpasses. Wie das technisch umgesetzt werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt.

Woher kommt die Idee des elektronischen Impfpasses? Gibt es da Vorbilder in anderen Ländern (EU, USA ...)?
P. Rendi-Wagner: Es gibt in anderen Ländern ähnliche Initiativen zur elektronischen Erfassung von Impfdaten. Eines dieser Projekte ist z.B. der elektronische Impfausweis, den es in der Schweiz gibt. Die grundsätzliche Einführung eines digitalen Impfpasses ist in Österreich aber schon seit längerer Zeit angedacht und wurde nicht erst durch andere Beispiele angestoßen.

Wie soll die technische Umsetzung erfolgen – Koppelung an die E-Card, eine eigene Karte oder etwas anderes?
P. Rendi-Wagner: Die Frage nach der konkreten technischen Umsetzung ist noch nicht abschließend geklärt. Sinnvoll ist es aber auf jeden Fall, die bereits vorhandene Infrastruktur zu nützen.

Wie weit sind die Pläne dazu schon gediehen – wann könnte die Umsetzung erfolgen?
P. Rendi-Wagner: Im Zielsteuerungsvertrag 2017 bis 2021 ist die Umsetzung eines elektronischen Impfpasses vorgesehen. Dieser wurde Ende Juni 2017 von der Bundeszielsteuerungskommission beschlossen. Ein konkreter Plan für die schrittweise Einführung des elektronischen Impfpasses ist derzeit in Erstellung. Fixiert ist bereits der Pilotbetrieb für das kommende Jahr.

Es gibt ja, z.B. von der Ärztekammer, gegen ELGA große Widerstände. Befürchten Sie Ähnliches auch für den elektronischen Impfpass?
P. Rendi-Wagner: Medizinisch sinnvolle Anwendungen, wie ein elektronischer Impfpass oder die E-Medikation, werden von den Ärztinnen und Ärzten positiv gesehen. Das hat sicherlich mit der guten Anwendbarkeit zu tun, die die Arbeit erleichtert. Aus diesem Grund sehen wir eine hohe Usability auch als Ziel für den E-Impfpass, womit eine wichtige Voraussetzung für die breite Akzeptanz im Gesundheitssystem geschaffen sein wird.

Halten Sie es nicht prinzipiell für sinnvoll, elektronisch verfügbare Information über Impfungen auch mit anderen Gesundheitsinfos (eben Stichwort ELGA) zusammenzuführen?
P. Rendi-Wagner: Ja, eine Zusammenführung elektronischer Gesundheitsinformationen halte ich für sehr sinnvoll. Dies ermöglicht es der Bürgerin bzw. dem Bürger und den betreuenden Anbietern von Gesundheitsdiensten, alle relevanten Informationen an einem Ort zu finden.

Gibt es Stellungnahmen von Datenschützern, hat man diesbezüglich Bedenken geäußert?
P. Rendi-Wagner: Es sind uns keine negativen Stellungnahmen zum elektronischen Impfpass im Zusammenhang mit Datenschutz-Bedenken bekannt.

Soll der elektronische Impfpass nur für Kinder und Jugendliche oder für das ganze Leben gelten?
P. Rendi-Wagner: Nach derzeitigem Planungsstand soll der elektronische Impfpass schrittweise, mit Fokus auf die Impfungen im Kindes- und Jugendalter, umgesetzt werden. Das längerfristige Ziel ist es, einen elektronischen Impfpass für die Gesamtbevölkerung zu schaffen, der selbstverständlich für das ganze Leben gelten soll.

Wie sieht es mit der Auslandskompatibilität aus? Könnte ich mittels des elektronischen Impfpasses im Ausland nachweisen, dass ich z.B. gegen Gelbfieber geimpft bin?
P. Rendi-Wagner: Derzeit gibt es keinen internationalen, standardisierten elektronischen Impfpass, dieser wird aber sicherlich in den zukünftigen Überlegungen, beispielsweise der WHO, Berücksichtigung finden müssen.

Ist ein Nachtragen durchgeführter Impfungen in den elektronischen Impfpass vorgesehen oder muss man quasi bei null beginnen, womit ja eigentlich erst die nächsten Generationen davon profitieren würden?
P. Rendi-Wagner: Nach aktuellem Planungsstand ist eine Funktion zum Nachtragen vorgenommener Impfungen in den elektronischen Impfpass vorgesehen.

Vielen Dank für das Gespräch.