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Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei Einsatz von Makrolidantibiotika

Jatros, 07.09.2017

Autor:
Univ.-Prof. Dr. Bernd Eber
Wels

Kardiologie & Gefäßmedizin

In dieser Metaanalyse wurde die Assoziation zwischen der Therapie mit Makroliden und verschiedenen kardiovaskulären Endpunkten wie plötzlichem Herztod (SCD), ventrikulären Tachyarrhythmien (VTA), kardiovaskulärem Tod und Tod aus anderen Ursachen untersucht. Insgesamt wurden 33 Studien aus dem Zeitraum von Jänner 1966 bis April 2015 analysiert. Fast 21 Millionen Patienten aus diesen Studien wurden identifiziert, wobei eine klare Beziehung zwischen Makrolideinnahme und SCD sowie VTA zu beobachten war; keine signifikante Assoziation bestand zwischen der Einnahme von Makroliden und den anderen vordefinierten Endpunkten. Diese negativen Ergebnisse konnten unter allen verfügbaren Makrolidantibiotika (Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin und Roxithromycin) gesehen werden.

Kommentar:
Diese schon etwas ältere retrospektive Metaanalyse passt sehr gut zum Kapitel über das verlängerte QT-Intervall in der vorliegenden Ausgabe von JATROS Kardiologie & Gefäßmedizin. Makrolide (indiziert bei Infektionen mit grampositiven und -negativen Kokken, Mykoplasmen oder Chlamydien) interferieren genauso wie viele andere nicht kardiale Pharmaka mit dem Cytochrom-P450-CYP3A4-System und verhindern dadurch den Abbau anderer Arzneimittel. Damit steigt das Risiko eines plötzlichen Herztodes signifikant an. Es empfiehlt sich, Makrolide nur so lange wie unbedingt erforderlich einzusetzen und die Therapie mittels EKG und Messung der QT-Dauer zu monitorisieren. Eine unkontrollierte Polypharmazie sollte bei allen Patienten möglichst vermieden werden.

Literatur: