Fachthema

WAAGO-Sitzung

Österreich ist im gynäkoonkologischen Studiensektor hochaktiv

Jatros, 13.07.2017
Gynäkologie & Geburtshilfe | Onkologie

Die WAAGO-Sitzung, die traditionellerweise am Donnerstag im Rahmen der AGO-Tagung stattfindet, hat sich innerhalb der vergangenen Jahre zu einem erfolgreichen Programmfixpunkt etabliert. In dieser Session wird die Aktivität österreichischer Zentren im Bereich der Forschung im gynäkoonkologischen Sektor präsentiert, wobei es sich einerseits um rein österreichische Projekte und andererseits um klinische Studien handelt, an denen Österreich teilnimmt.

TRAGO und EARLAGO

Univ.-Doz. Mag. Dr. Heidi Fiegl, Medizinische Universität (MU) Innsbruck, hat die aktuelle Forschungslandschaft der TRAGO (translationale Gruppe der AGO) und der EARLAGO (early phase clinical trial group der AGO) präsentiert. Beide Gruppen wurden vor einigen Jahren von Univ.-Prof. Dr. Christian Marth, Direktor der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, MU Innsbruck, initiiert. Aktive Interessenten der MU Graz, Innsbruck und Wien finden sich zu regelmäßigen Treffen ein, um geplante bzw. bereits laufende Projekte detaillierter zu diskutieren.
Das Bestreben der EARLAGO besteht darin, die Zahl früher klinischer Studien zu erhöhen und dabei die Entwicklungen neuer Therapieformen für Patientinnen mit gynäkologischen Malignomen zu beschleunigen. Eine enge Zusammenarbeit mit der TRAGO soll ermöglichen, dass translationale Konzepte verstärkt in Phase-I/II-Studien überführt werden können. Die EARLAGO wird von Univ.-Prof. Dr. Nicole Concin, MU Innsbruck, geleitet.

Beispiele für laufende Studien der EARLAGO

Als relevante Studienprojekte der EARLAGO nannte Fiegl das Lore-Saldow-Projekt, in dessen Rahmen die epigenetische Therapie mit Vorinostat an Histon­acetylase-positiven uterinen Sarkomen und Mischtumoren des Uterus untersucht wird, und die Phase-Ib/II-Studie GANNET (NCT02012192). GANNET ist eine europäische, EU-geförderte multizentrische Studie zur Behandlung des platinresistenten Ovarialkarzinoms (OC) mit dem Hitzeschockprotein (HSP) 90 als Zusatz zu Paclitaxel. Die Phase Ib zur Dosisfindung ist bereits erfolgreich abgeschlossen, dabei wurden keine dosislimitierenden Toxizitäten identifiziert. Die Ergebnisse der Phase II mit 133 Patientinnen werden mit Spannung für den Sommer 2017 erwartet.
Der Principal Investigator der Studie zur Untersuchung von Vorinostat im Rahmen der Pilotstudie SAHA-Pilot-S016 (EudraCT-Nummer: 2016-000782-22) ist Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru, MU Graz. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das von Uwe Saldow maßgeblich finanziell unterstützt wird – dieser wurde im Rahmen der AGO-Tagung mit dem Humanity Award der AGO Austria ausgezeichnet. Dass es sich bei der epigenetischen Therapie von uterinen Sarkomen um ein vielversprechendes Konzept handelt, konnte u.a. bereits an Mäusen, denen Sarkomzelllinien implantiert worden sind, erfolgreich demonstriert werden: Unter der Therapie mit Vorinostat wurde eine 50%ige Reduktion des Tumorvo­lumens verzeichnet.1 Vorinostat ist ein Histonacetylase-Inhibitor, der oral (400mg/Tag) eingenommen wird. Generell wird bei uterinen Sarkomen eine vermehrte Histonacetylase-Expression nachgewiesen.2

ATALANTE: Immuntherapie

beim Ovarialkarzinom

Die Entwicklung von Immuncheckpoint­-inhibitoren (ICP) hat zweifelsohne die Therapie von bestimmten Tumorentitäten revolutioniert. Publikationen zu Studien mit diesen Substanzen häufen sich und sind auch für das OC bereits verfügbar. Die bislang verzeichneten Responseraten sind mit 10–15% als moderat einzustufen und es bleibt zu hoffen, dass bei den aktuell laufenden Studien bessere Erfolge erzielt werden können.3
ATALANTE (NCT02891824) ist eine von der AGO geplante Phase-III-Studie zur Rezidivtherapie des nicht muzinösen platinsensitiven OC, die in Frankreich bereits unter der Leitung von Prof. Dr. Jean-Emmanuel Kurtz, Universität Straßburg, im Gange ist. Die Patientinnen werden im 2:1-Schema zum Erhalt von Carboplatin/Bevacizumab +/– Atezolizumab bis zur Progression randomisiert (Abb. 1). Zu den Einschlusskriterien zählen ≥1 vorangegangene Chemotherapie (CTx), wobei >6 Monate seit Verabreichung des letzten Platins vergangen sein müssen. Als CTx kann Carboplatin je nach Wahl des Prüfarztes mit pegyliertem Doxorubicin, Gemcitabin oder Paclitaxel zur Anwendung kommen. Atezolizumab wird nach Beendigung der CTx als Erhaltungstherapie in der Dosis von 1200mg i.v. alle 3 Wochen weiter verabreicht.
Als Endpunkte werden neben dem Gesamtüberleben (OS) nicht nur die Zeitspanne bis zur ersten Progression (PFS 1) und das PFS 2 (unter der ersten darauf folgenden Therapie), sondern auch die Zeitspanne bis zur ersten bzw. zweiten subsequenten Therapie (TFST und TSST) untersucht.
„Die Dokumentation ist in dieser Studie sehr umfangreich und erfordert eine hohe Präzision“, berichtete Petru, der das Studiendesign vorstellte. So werden auch engmaschig Fragebögen zur Lebensqualität erhoben. Die Patientinnen müssen diesbezüglich alle 4 Wochen bzw. alle 12 Wochen bis zum Eintritt des PFS 2 in die Klinik kommen. Bei Patientinnen ≥70 Jahre ist die Durchführung von geriatrischen Assessments erforderlich. Darüber hinaus ist auch die Dokumentation von nicht therapiebezogenen Arztbesuchen und Hospitalisierungen vorgesehen, was insgesamt einen hohen zeitlichen Aufwand bedeutet.

SHAPE (AGO 36)

Bis dato wurde keine Studie zur Effektivität und Morbidität der einfachen vs. der radikalen Hysterektomie (HE) bei Patientinnen mit Zervixkarzinom in frühen Stadien (IA2 und IB1) durchgeführt. Nachdem die radikale HE jedoch postoperativ mit einer hohen Rate an Komplikationen wie urologischen und rektalen Funktionsstörungen von 10–15% einhergeht4, wird in der Phase-III-Studie SHAPE (Simple Hysterectomy And Pelvic node dissection in Early-stage low-risk cervical cancer; NCT01658930) die einfache (extrafasziale) vs. die radikale HE an 700 nicht vorbehandelten Patientinnen untersucht. Die pelvine Lymphadenektomie wird in beiden Armen durchgeführt. Per März 2017 waren 300 der geplanten 700 Patientinnen in die Studie eingeschlossen. Dr. Bettina Amann, MU Graz, die das Studiendesign vorstellte, wies auf die Relevanz der Einbringung von Patientinnen hin, da es sich bei SHAPE um die erste Studie handelt, die untersucht, wie umfassend die Radikalität der HE beim frühen Zervixkarzinom sein muss.

Late Breaking News – AXAL

Als letztes Highlight im Rahmen der WAAGO-Sitzung wurde von OA Dr. Christian Schauer, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz, das Design der multizentrischen Phase-III-Studie AXAL bei Patientinnen mit metastasiertem Zervixkarzinom nach Versagen der Erstlinien-CTx präsentiert. „Österreich wird in AXAL zum zweiten Mal in der Gynäkoonkologie die Leading Group weltweit sein, was den Erfolg untermauert, dass wir bei Studien überdurchschnittlich gut rekrutieren“, berichtete Schauer.
Die Studie zeichnet sich auch durch ein hochinteressantes Konzept aus, in dem attenuierte Listerien (L. monocytogenes; AXAL) als Antigenvektor fungieren: Mithilfe von biotechnologisch hergestellten Plasmiden wird ein Fusionsprotein generiert, das imstande ist, zytotoxische T-Zellen gegen den Tumor zu mobilisieren. Diese antiinfektiöse Therapie wird in Kombination mit einem CPI verabreicht, um so die Immunresponse zu verstärken.
Die Ergebnisse einer Phase-II-Studie mit AXAL haben die Erwartungen bei Weitem übertroffen: Das 12-Monats-OS lag bei 38%, was einer Verbesserung um 52% gleichkommt.5 Diese Daten bezeugen eine bedeutende OS-Verbesserung gegenüber allen bisher durchgeführten Studien in diesem Patientenkollektiv, weshalb die Hoffnungen bezüglich der Phase-III-Ergebnisse in AXAL groß sind.

Literatur: