Fachthema

Ambulante geriatrische Remobilisation

Neue Wege in der Altersmedizin

DAM, 13.07.2017

Autor:
OA Dr. Walter Müller, MSc
Leiter Department Akutgeriatrie und Remobilisation
Allgemeines öffentliches Krankenhaus der Elisabethinen, Klagenfurt
E-Mail: walter.mueller@ekh.at

Allgemeinmedizin

„Nicht nur dem Leben Jahre, sondern den Jahren Leben geben“, lautet das Motto des Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation im Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt. Hier wird in einem österreichweit einzigartigen Pilotprojekt eine ambulante geriatrische Remobilisation angeboten. Mit Erfolg, denn die „Ambulante geriatrische Remobilisation“ des Krankenhauses wird kärntenweit ausgeweitet.

Schwere Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz, Osteoporose, Depression oder Traumafolgen, z.B. nach einem Schenkelhalsbruch, um nur einige zu nennen, bedeuten für ältere Menschen oft einen längeren stationären Aufenthalt in einer geriatrischen Abteilung. Seit Oktober 2008 gibt es im Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt ein neues, modernisiertes Department für Aktutgeriatrie und Remobilisation, das derzeit 24 Betten umfasst. Hier betreut das Ärzte- und Pflegeteam Patienten, die nach einer Operation oder Krankheit noch Zeit zum Gesundwerden brauchen. Eine speziell auf die Bedürfnisse von älteren Menschen ausgerichtete Nachbetreuung ist dabei unerlässlich.

Therapie in den eigenen Wohnräumen

Bei der „Ambulanten geriatrischen Remobilisation“ wird nicht der Patient ins Krankenhaus gebracht, sondern das mobile Team des Elisabethinen-Krankenhauses kommt zum Patienten nach Hause. Das ambulante Angebot ermöglicht Patienten, das vollständige Leistungsportfolio der geriatrischen Therapie in den eigenen vier Wänden in Anspruch zu nehmen. Mein Leitsatz: „So wenig Krankenhaus wie nötig, so viel häusliche Umgebung wie möglich.“
Mobile Teams, die zu den Patienten in die Wohnung kommen, sind eine logische Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen und bereits in vielen Ländern Europas ein fixer Bestandteil der Versorgung. Die flexible Nachbetreuung ist deshalb so wichtig, weil die Anzahl der älteren Menschen, die aufgrund von Krankheiten und damit verbundenen Verschlechterungen der körperlichen Funktionen hilfs- und pflegebedürftig werden, in den nächsten fünf Jahren dramatisch ansteigen wird.

Zusammenarbeit mit Hausärzten

Für die ambulante geriatrische Remobilisation eignen sich Patienten, die im Krankenhaus liegen und bei denen die Therapien noch nicht abgeschlossen sind. Hausärzte können aber auch Patienten, die zu Hause leben, anmelden, um ihnen einen sonst notwendigen Krankenhausaufenthalt zu ersparen. Der Geriater und der Hausarzt entscheiden schließlich gemeinsam, ob der Patient in die ambulante geriatrische Remobilisation aufgenommen werden soll.
Nach genauer Befragung, Untersuchung und Testung des Patienten wird ein detaillierter individueller Remobilisationsplan erstellt. Dazu gehören immer auch ein detaillierter Vorschlag für behindertengerechte Wohnungsumgestaltung, die Verordnung der notwendigen Hilfsmittel und ein Vorschlag bzw. die Organisation der notwendigen ambulanten Versorgung (Hauskrankenhilfe, „Essen auf Rädern“, Haushaltshilfe etc.). Wöchentliche Besprechungen des mobilen Teams des Elisabethinen-Krankenhauses dienen der Verlaufsbeobachtung und gegebenenfalls der Anpassung des Therapieplans. Die Aufgaben des Hausarztes (Hausbesuche, Ausstellen von Rezepten usw.) bleiben unberührt.

Unbefristeter Vertrag für die Regelfinanzierung

Bislang hat die „Ambulante geriatrische Remobilisation“ des Klagenfurter Krankenhauses der Elisabethinen Patienten, die im Umkreis von 20km leben, ermöglicht, das vollständige Leistungsangebot der geriatrischen Therapie in den eigenen vier Wänden zu nutzen. Mit Unterstützung von Land, Gesundheitsfonds und Sozialversicherung wird die „Ambulante geriatrische Remobilisation“ nun unbefristet in den Regelbetrieb aufgenommen. Auch die geplante kärntenweite Implementierung wird Schritt für Schritt in Angriff genommen.
Seit 1. Februar 2017 gibt es auch im Bezirk Völkermarkt das Angebot der „Ambulanten geriatrischen Remobilisation“. Beginnend mit 1. Juni dieses Jahres ist vonseiten des Landes, des Gesundheitsfonds und der Sozialversicherungsträger die Ausweitung der „Ambulanten geriatrischen Remobilisation“ auf weitere Kärntner Bezirke angesetzt.

Innovation aus dem Elisabethinen-Krankenhaus

Die ambulante geriatrische Remobilisation, wie sie durch das Elisabethinen-Krankenhaus praktiziert wird, ist ein Meilenstein in der Versorgung von geriatrischen Patienten. Ins geriatrische Team sind alle Gesundheitsberufe eingebunden: Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten, die remobilitative Pflege und die klinische Psychologie etc. Und es werden auch die sozialen Aspekte berücksichtigt. Die Therapien werden in den Alltag integriert, die Angehörigen sind von der ersten Stunde an mit dabei und werden geschult und angeleitet.

Studien belegen Heilungsfortschritt

Das Projekt der mobilen Therapie am Elisabethinen-Krankenhaus wird von Univ.-Prof. Dr. Herbert Janig, Universität Klagenfurt, wissenschaftlich begleitet. Dabei wird verglichen, wie es ambulanten Patienten im Vergleich zu Krankenhauspatienten ergeht. Im vorliegenden wissenschaftlichen Bericht zeigen sich ganz klare Vorteile für die mobile Therapie. Sowohl bei den ambulanten Patienten als auch bei den Krankenhauspatienten steigt die Selbstständigkeit während der Therapie deutlich an. Das Sturzrisiko sinkt bei den Patienten zu Hause durch die Therapie um 73%, bei den stationären Patienten nur um 26%. Es ergeben sich Ersparnisse von über 50% zugunsten der ambulanten Therapie. Zudem ist die Krankenhauswiederaufnahmerate von zu Hause behandelten Patienten um 11% geringer als jene von ehemals stationär behandelten.

Literatur: