Thema

11. Österreichischer Infektionskongress

Aktuelles aus der Virologie

Jatros, 08.06.2017

Autor:
Dr. Norbert HasenöhrlInfektiologie

Das Spektrum an Viren, die in Österreich relevant sind, ändert sich. Das habe zum Teil mit der natürlichen Mutationshäufigkeit der Erreger – etwa bei Influenza – zu tun, zum Teil aber auch mit der unter anderem durch den Klimawandel bedingten Einwanderung von Überträgern, wie z.B. bestimmten Stechmückenarten, erklärte der Virologe Univ.-Prof. Dr. Norbert Nowotny.

In den Wintermonaten 2016/17 waren in Österreich vermehrt Fälle von sogenannter Geflügelpest, verursacht durch ein Influenza-A-Virus (H5N8), aufgetreten. Infektionen mit diesem Virus wurden weit verbreitet in Europa, Asien und Afrika beobachtet – es ist allerdings nicht humanpathogen.
Anders der Influenza-A-Subtyp H5N1: „Nach direktem Kontakt mit erkranktem Geflügel wurden zwischen 2003 und Ende März 2017 858 humane Krankheitsfälle diagnostiziert, von denen mehr als die Hälfte tödlich verliefen“, sagte Univ.-Prof. Dr. Norbert Nowotny vom Institut für Virologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der auch eine Professur an der Mohammed Bin Rashid University of Medicine and Health Sciences in Dubai innehat. Besonders viele Fälle traten in Indonesien, Vietnam und Ägypten auf. „Eine Übertragung von Mensch zu Mensch war dabei jedoch extrem selten“, so Nowotny. Gleiches gilt für das seit 2013 in China kursierende Influenza-A/H7N9-Virus, an dem bis heute etwa 1400 Menschen erkrankten; 40% von ihnen starben.

„Middle East respiratory syndrome“-Coronavirus (MERS-CoV)

Hierbei handelt es sich um ein neues, erstmals 2012 nachgewiesenes Virus, das seinen Ursprung im arabischen Raum hat − 85% aller humanen Erkrankungen wurden bisher in Saudi-Arabien diagnostiziert, durch Reisetätigkeit wurden Einzelfälle aber auch in anderen Ländern beobachtet. In Österreich wurden bisher zwei importierte Fälle diagnostiziert, beide bei saudi-arabischen Staatsbürgern, ein Fall in Wien und einer in Salzburg; die Wiener Patientin überlebte, der (ältere) Salzburger Patient verstarb trotz intensiver Therapie. Höheres Lebensalter und Komorbiditäten prädisponieren für einen schweren Krankheitsverlauf.
Das Virusreservoir stellen Kamele (Dromedare) dar. Jedoch lassen sich nur etwa 5% aller humanen Infektionen auf direkten intensiven Kontakt mit diesen Tieren zurückführen. „Die Hauptübertragung findet von Mensch zu Mensch statt, bei nicht optimaler Infektionskontrolle vielfach auch in Krankenhäusern“, betonte Nowotny. So breitete sich z.B. die Infektion von einem nach Korea gereisten MERS-CoV-Infizierten auf weitere 186 Personen aus, von denen 36 starben. Die durchschnittliche Letalitätsrate liegt derzeit bei ca. einem Drittel, wobei auch vermehrt subklinische bzw. oligosymptomatische Fälle von MERS-CoV-Infektionen beobachtet werden.

West-Nil-Virus

Das West-Nil-Virus spielte in Österreich bis 2008 keine Rolle – erst zu diesem Zeitpunkt erfasste ein wahrscheinlich mit Zugvögeln aus Afrika zuerst nach Ungarn gelangter Virusstamm auch den Osten Österreichs. Bis heute wurden in Österreich etwa 20 humane Infektionen beschrieben, die meisten davon in Wien und Umgebung. Viele Infizierte wurden erst durch das seit 2014 in Ostösterreich obligatorische West-Nil-Virus-Screening aller Blutspenden identifiziert, einige andere zeigten Fieber, Ausschlag oder neurologische Symptome. 2016 erkrankten auch zwei Pferde an der Infektion, wobei eines daran verstarb. Das Virus vermehrt sich in einem Zyklus zwischen bestimmten Stechmücken- und Vogelarten. Mensch und Pferd sind Endwirte, die nach dem Stich einer infizierten Mücke zwar erkranken, das Virus aber nicht mehr weitergeben können. „Da der Hauptüberträger die weit verbreitete heimische Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) ist, wird uns diese Infektion in Österreich erhalten bleiben“, prognostizierte Nowotny.

Zika und andere

Das Zika-Virus wird, ebenso wie das Dengue- oder Chikungunya-Virus, von Aedes-Stechmückenarten übertragen. Hauptüberträger des Zika-Virus ist Aedes aegypti, eine Mückenart, die derzeit in Europa noch nicht vorkommt. Anders ist dies jedoch bei der Asiatischen Tigermücke (A. albopictus) und bei der Asiatischen Buschmücke (A. japonicus) – beide Mückenarten sind in Teilen Europas bereits heimisch geworden. Insbesondere die Asiatische Tigermücke könnte in der Zukunft auch bei uns gefährliche Viren auf den Menschen übertragen. „Derzeit ist eine autochthone Übertragung von Zika-Viren hierzulande noch nicht zu erwarten, importierte Fälle sind jedoch wahrscheinlich“, so Nowotny abschließend.

Quelle:
„Update Klinische Virologie: von Influenza bis Zika“, Workshop 8 beim 11. Österreichischen Infektionskongress, 31. März 2017, Saalfelden