Fachthema

Sekundäre Präventionsmaßnahmen bei Allergie und Asthma

Heilen ist gut, vorbeugen besser

Jatros, 23.03.2017

Autor:
Univ.-Doz. Dr. Felix Wantke
Floridsdorfer Allergiezentrum, 1210 Wien
E-Mail: Wantke@faz.at

Pneumologie

Unter sekundärer Prävention versteht man die Gesamtheit aller Maßnahmen, die der Früherkennung und damit der Möglichkeit einer rechtzeitigen Behandlung einer Erkrankung dienen. Sie wendet sich gezielt an Personen, bei denen Risikofaktoren vorliegen, aber bislang keine daraus resultierende Erkrankung.

Key Points

  • Sekundärprävention von Asthma oder Allergien ist möglich.
  • Nikotinkarenz und Reduktion der Hausstaub­milbenbelastung sinnvoll
  • Spezifische Immuntherapie reduziert die Symptomatik bei Asthmatikern (= Asthmakontroller) und kann die Entstehung von Asthma zumindest hintanhalten.

Wenn auch heute verständlicherweise das Hauptaugenmerk auf der primären Prävention liegt, so hat die sekundäre Prävention dennoch einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung von Allergien und Asthma bronchiale. Aktive und passive Nikotinkarenz sind erwiesenermaßen sowohl in der primären als auch in der sekundären Allergie- und/oder Asthmaprävention wirksam und wären zudem eine einfache Methode. Sekundäre Asthmaprävention durch Diäten wird kontroversiell diskutiert. Während eine Metaanalyse aus dem Jahr 2013 zeigt, dass eine mediterrane Diät eine geringgradige sekundärprotektive Wirkung hätte, so gibt es andere Autoren, die keinen sekundär- oder tertiärprotektiven Einfluss von Nahrungsmitteln auf die Entwicklung von Allergien sehen.

Bei Kindern kann Asthma schon sehr früh auftreten, wobei im Unterschied zu Erwachsenen meist keine allergische Rhinokonjunktivitis vorliegt. Auch schützt die prophylaktische Gabe von inhalativen Steroiden oder Antihistaminika nicht vor der Entwicklung von Asthma bronchiale. Allerdings profitieren Kinder von der Prophylaxe insofern, als sie deutlich weniger respiratorische Symptome haben.

Nach heutigem Wissensstand haben Haustiere keine sekundärpräventive Wirkung. Bei bekannter Hausstaubmilbenallergie sollten bei symptomatischen Patienten jedoch regelmäßig Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Diese bestehen vor allem aus der Verwendung von allergendichten Bettbezügen und wiederholter Verwendung von milbenabtötenden Präparaten. Regelmäßiges Staubsaugen führt leider nur zu einer minimalen Reduktion des Hausstaubmilbenallergens. Da sich das Hausstaubmilbenallergen vor allem in Geweben wie Teppichen, Vorhängen, Autositzbezügen, Bettzeug, aber auch Kleidern befindet, ist die Verwendung von mobilen Luftfilteranlagen mit Mikrofiltern nicht sehr effizient.

Bei Rhinokonjunktivitis auf inhalative Allergene, egal ob saisonal oder perennial, ist die spezifische Immuntherapie die einzige Möglichkeit, Asthma zu verhindern, wenn auch die Datenlage nicht ganz eindeutig ist. Die PAT(„preventive allergy treatment“)-Studie zeigte ein deutlich gesenktes Risiko für die Entwicklung von Asthma nach 3 Jahren mit einer Langzeitwirkung über insgesamt 10 Jahre. Erst kürzlich konnte in einer doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studie an 812 Kindern im Alter von 5 bis 12 Jahren mit allergischer Rhinokonjunktivitis, aber ohne Asthma nach Immuntherapie eine deutliche Reduktion von Asthmasymptomen und Asthmamedikation bereits im 3. Jahr gesehen werden. Nach 5 Jahren konnte das Risiko für das Auftreten von Asthmasymptomen oder die Asthmamedikation um 34% reduziert werden (Odds-Ratio: 0,66). Durch den Einsatz der neuen, hoch dosierten sublingualen Immuntherapie in Tablettenform, welche gegen Gräser, Hausstaubmilben sowie bald auch gegen Birke und eventuell Ragweed verfügbar ist, steigt der Stellenwert und erweitert sich der Anwendungsbereich der spezifischen Immuntherapie erneut. Die spezifische Immuntherapie ist nach wie vor die einzige kausale Therapie der Typ-1-Allergie mit der Option der sekundären Asthmaprävention.

Literatur: