Fachthema

Weitere klinisch bedeutsame Studiendaten vom SABCS 2016

Jatros, 02.03.2017

Autor:
Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru
Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinische Abteilung für Gynäkologie, Graz
E-Mail: edgar.petru@medunigraz.at

Onkologie | Gynäkologie & Geburtshilfe

Auch im Bereich der Palliativbetreuung, des präoperativen MRT sowie zu Risiken von Brustimplantaten gab es am SABCS 2016 interessante Daten und Analysen, über die der folgende Beitrag einen Überblick gibt.

Prädiktoren von aggressiver Betreuung am Lebensende von Patientinnen mit mBC

Trotz Empfehlungen gegen eine aggressive interventionelle Betreuung von Patientinnen mit weit fortgeschrittenem Mammakarzinom erhält dennoch eine beträchtliche Anzahl von Patientinnen eine solche. Accordino et al1 haben die SEER-Database benützt, um Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom zwischen 2002 und 2011 zu identifizieren. Der letzte Lebensmonat wurde einer Analyse unterzogen. Unter aggressiver interventioneller Betreuung im letzten Lebensmonat wurden folgende Umstände/Konditionen subsumiert: ≥2 Vorstellungen in der Notfallambulanz, ≥2 stationäre Aufnahmen, Hospitalisierung >2 Wochen, Aufnahme auf der Intensivstation, Aufnahme in einem Hospiz in den letzten 3 Lebenstagen und Applikation einer intravenösen Chemotherapie in den letzten 14 Tagen des Lebens.
Hohe Gesundheitskosten wurden als jene definiert, die über der 75. Perzentile lagen. 5.064 Patientinnen waren auswertbar. 2.156 (43%) erhielten mindestens eine der genannten Maßnahmen einer aggressiven interventionellen Betreuung im letzten Lebensmonat. Am häufigsten waren Aufnahmen auf der Intensivstation (17%) und >1 Vorstellung in der Notfallambulanz (14%). Die medianen Kosten für die Behandlung im letzten Lebensmonat betrugen 7.963 US-Dollar. Prädiktoren für aggressive Betreuung im letzten Monat waren schwarze Hautfarbe (OR 1,50), Familienstand verheiratet (OR 1,15) und ein Charlson-Komorbiditäts-Score von ≥2 (OR 1,52). Für die Gesamtpopulation blieben die Behandlungsaufwendungen im letzten Lebensmonat zwischen 2002 und 2012 unverändert, stiegen aber für die 25% der Patientinnen mit der schlechtesten Prognose signifikant (p<0,0001).

Klinische Interpretation und Konsequenzen:
Ein signifikanter Anteil von Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom erhält im letzten Lebensmonat aggressiv-interventionelle Betreuungsmaßnahmen. Im Bewusstsein der hohen Betreuungskosten sollte versucht werden, frühzeitig geeignete Patientinnen für solch späte Interventionen zu identifizieren, insbesondere solche mit besonders schlechter Prognose.

 

Kein Überlebensvorteil durch präoperatives MRT der Brust selbst für junge Patientinnen nach brusterhaltender Therapie

Huang et al2 haben die Wertigkeit eines präoperativen MRT bei (jungen) Patientinnen mit Mammakarzinom und brusterhaltender Therapie im Zeitraum von 2007 bis 2013 retrospektiv untersucht. Von insgesamt 13.681 Patientinnen erhielten 5.823 (43%) ein präoperatives MRT. 40% wiesen ein Stadium 0–I auf, 36% ein Stadium II und 15% ein Stadium III. Die Patientinnengruppen mit und ohne MRT wiesen einen vergleichbaren Lymphknotenstatus auf (35 vs. 36% positive Lymphknoten; p=0,69). Die Anzahl der MRT-Untersuchungen stieg von 2007 mit 7% bis 2013 mit 68% kontinuierlich an. Patientinnen mit brusterhaltender Therapie erhielten eher eine MRT-Untersuchung als jene mit Mastektomie (p<0,001). Die mittlere Nachbeobachtungsdauer in der MRT-Gruppe betrug 89 Monate und jene bei der Nicht-MRT-Gruppe 114 Monate, wobei bei 4% und 6% Brustkrebsrezidive auftraten. Lokoregionäre Rezidive traten bei 1% bzw. 2% der Fälle auf. Das rezidivfreie 5-Jahres-Überleben betrug in beiden Gruppen jeweils 90%. Das rezidivfreie lokoregionäre 5-Jahres-Überleben für die MRT- und Nicht-MRT-Gruppe betrug 97% und 98% (p=0,128). In der MRT-Gruppe wies die Operationsmethode (Brusterhalt vs. Mastektomie) keinen Einfluss auf die Rezidivrate auf.
Bei der Subgruppenanalyse der Frauen unter 45 Jahren, die mit brusterhaltender Therapie behandelt wurden, erhielten 699 Patientinnen ein präoperatives MRT und 419 Patientinnen keines. Die 5-Jahres-Rezidivfreiheitsraten der MRT-Gruppe und Nicht-MRT-Gruppe betrugen 96% bzw. 95% (p=0,231). Die lokoregionären 5-Jahres-Rezidivfreiheitsraten betrugen 100% bzw. 97% (p=0,144).

Klinische Interpretation und Konsequenzen:
MRT-Untersuchungen der Brust werden bei Mammakarzinompatientinnen zunehmend häufig vorgenommen und das insbesondere auch bei jungen Frauen. Dennoch kann durch die Anwendung des MRT bei der Gesamtgruppe der Patientinnen und auch jener der Frauen vor dem 45. Lebensjahr keine Verbesserung des rezidivfreien Überlebens erzielt werden.

Brustimplantat-assoziiertes anaplastisch-großzelliges Lymphom (BIA-ALCL) – eine Analyse von 11 Fällen aus Großbritannien

Johnson et al3 berichteten von den Erfahrungen mit der BIA-ALCL, die ein seltenes Risiko von Brustimplantaten darstellt. Häufig manifestiert es sich mit plötzlicher dramatischer Serombildung im Bereich des Implantats oder fallweise auch mit einem Brusttumor. 11 Fälle wurden beschrieben. Die Zeit bis zum Auftreten eines BIA-ALCL betrug im Durchschnitt 10 Jahre. 8 Patientinnen im Stadium I mit rezidivierendem Serom wurden lediglich mittels Entfernung des Implantats und vollkommener Kapsulektomie behandelt. Davon hatten 4 Patientinnen eine beidseitige Brustaugmentation durchführen lassen, 2 eine beidseitige risikoreduzierende Mastektomie mit Implantatrekonstruktion, 2 eine unilaterale Mastektomie mit Implantatrekonstruktion nach Mammakarzinom, wobei eine von ihnen eine adjuvante Radio-, Chemo- und Antihormontherapie erhalten hatte.
Bei allen bis auf eine Patientin mit beidseitigen Implantaten wurden die Implantate entfernt und eine einseitige Kapsulektomie durchgeführt. Bei einer Patientin erfolgten eine einseitige Kapsulektomie und ein beidseitiger Austausch der Implantate.
Drei Patientinnen wiesen ein Stadium IIA auf. Die Behandlung einer Patientin bestand aus der Entfernung des Implantats, CHOP+ und Radiotherapie. Sie lebt seit 2 Jahren rezidivfrei. Bei einer weiteren Patientin erfolgte ein routinemäßiger Austausch des Implantats, wobei ein Tumor an der Drainagestelle entstanden war. Sie erhielt eine lokale Exzision, adjuvantes CHOP und Radiotherapie. Sie lebt seit 4 Jahren rezidivfrei. Die dritte Patientin entwickelte einen rasch wachsenden Tumor neben dem Implantat und zeigte während der CHOP-Therapie eine lokale Progression mit lebensbedrohlicher Infiltration der Thoraxwand. Sechs Zyklen einer neoadjuvanten Antikörper-Therapie mit Brentuximab führten zu einer kompletten Remission des BIA-ALCL mit nachfolgender Implantatentfernung und beidseitiger Kapsulektomie.
Klinische Interpretation und Konsequenzen:
Ein Brustimplantat-assoziiertes anaplastisch-großzelliges Lymphom manifestiert sich meist im Stadium I oder II. Es kann meist mittels operativer Therapie erfolgreich bekämpft werden. Bei lokal fortgeschrittenem Tumor ist eine Chemotherapie indiziert. Auch eine Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Brentuximab kann bei BIA-ALCL überlegt werden.

Randomisierte, placebokontrollierte Studie von Duloxetin gegen Aroma­tase­hemmer-assoziierte muskulo­skelettale Schmerzen beim BC

Henry et al4 haben 299 postmenopausale Patientinnen, die in den Stadien I–II zwischen 3 Wochen und 3 Jahren Aromatasehemmer wegen eines Mammakarzinoms erhielten und Schmerzen ≥4/10 laut Brief Pain Inventory aufwiesen, in zwei Gruppen randomisiert. Die eine Gruppe erhielt Placebo und die andere Duloxetin 30mg täglich für 7 Tage und danach 60mg für 11 Wochen. Schmerzen, Depression und Lebensqualität wurden nach 2, 6, 12 sowie 24 Wochen evaluiert.
Eine signifikante Schmerzreduktion und Verbesserung der Lebensqualität konnte durch Duloxetin erreicht werden.

Klinische Interpretation und Konsequenzen:
Bei starken muskuloskelettalen Schmerzen während der Einnahme von Aromataseinhibitoren sollte an die Anwendung von Duloxetin gedacht werden.

Literatur: