Fachthema

Schwangerschaft

Risiko-Score für Bauchoperationen

Jatros Digital, 14.02.2017
Dr. Corina Ringsell

Gynäkologie & Geburtshilfe

Operationen im Bauchraum während der Schwangerschaft sind ein Risiko für Mutter und Kind. Dennoch sind solche Eingriffe oft nicht zu vermeiden. Ein von US-Forschern entwickelter Risiko-Score soll helfen, die Gefahren besser einzuschätzen.

Werden Blinddarm- und Gallenblasenentzündungen während der Schwangerschaft nicht adäquat behandelt, kann dies zu schweren Komplikationen führen, zum Beispiel zu Fehlgeburten. Da eine Operation oft die einzige Option ist, gehören solche Eingriffe zu den häufigsten nicht geburtshilflichen während der Schwangerschaft.1, 2 Allerdings lagen bislang keine ausreichenden Daten zum Management der akuten Blinddarm- und Gallenblasenentzündung bei Schwangeren vor. Ebenso wenig gab es Daten zum Management von schwangerschaftsassoziierten Risikofaktoren und Komplikationen. Die vorliegenden Studien befassten sich hauptsächlich mit dem optimalen Zeitpunkt für den Eingriff während der Schwangerschaft und rieten zum zweiten Trimenon.3

In einer Kohortenstudie, für die die Daten von mehr als 19.000 Teilnehmerinnen ausgewertet wurden, sollten Risikofaktoren für Operationen im Bauchraum bei Schwangeren identifiziert und stratifiziert werden. Allen Frauen war während der Schwangerschaft entweder der Blinddarm oder die Gallenblase entfernt worden. Bei 4,8% (953) der Schwangeren traten insgesamt 1.018 unerwünschte Ereignisse auf. Am häufigsten waren Frühgeburten (35,4%, n=360), vorzeitige Wehen ohne Frühgeburt (26,4%, n=269) und Fehlgeburten (25,7%, n=262). Die Betroffenen hatten eine längere Verweildauer in der Klinik (5 vs. 3 Tage) und ein höheres Sterberisiko (0,31% vs. 0,02%).

Risikofaktoren identifiziert

Insgesamt identifizierten die Forscher zehn Faktoren für einen ungünstigen Verlauf. Die wichtigsten: Zervixinsuffizienz, vorzeitige Wehen, Vaginitis oder Vulvovaginitis und das Auftreten einer Sepsis. Daraus entwickelten die Wissenschaftler einen Score, bei dem sie für jeden Faktor je nach Risiko eine bestimmte Punktzahl vergaben. Anhand der Summe der Punkte konnten sie die Schwangeren in Risikogruppen einteilen: Bei einer Punktzahl von bis zu 4 lag die Wahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses bei 2,5%, bei 5–8 Punkten betrug sie 8,2%, während sie bei mehr als 9 Punkten auf 21,8% stieg.4 In einem begleitenden Kommentar loben Roxanne Massoumi und Joe Hines von der University of California die Arbeit als wertvollen Beitrag zum Management der akuten Blinddarm- und Gallenblasenentzündung bei Schwangeren. Sie weisen allerdings auch auf einige Schwächen der Arbeit hin. So gab es in den ausgewerteten Daten keine Angaben zum Gestationsalter. Auch die Zahl der Ereignisse könnte insgesamt höher gewesen sein, da bei manchen Frauen die Komplikationen erst nach Entlassung aus der Klinik aufgetreten sein könnten, wie Massoumi und Hines vermuten. Sie bemängeln auch, dass beim Erfassen der Komplikationen nicht zwischen den beiden Eingriffen unterschieden wurde. Da eine Cholezystektomie ein schwierigerer Eingriff ist, sei es wahrscheinlich, dass im Anschluss auch mehr Beschwerden auftreten. Schließlich weisen die Kommentatoren darauf hin, dass gerade eine unkomplizierte Blinddarmentzündung gut auf Antibiotika anspricht und nicht operiert werden muss.3

Literatur: