Fachthema

PSA-Test

Mehr fortgeschrittene Tumoren

Urologik Digital, 08.02.2017
Dr. Corina Ringsell

Urologie & Andrologie | Onkologie

Die Diskussion über den Nutzen des PSA-Tests als Screening-Methode für Prostatakarzinome reißt nicht ab. US-Forscher haben untersucht, wie sich der Verzicht auf das PSA-Screening auswirkt.

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Befürworter des PSA-Screenings argumentieren mit besseren Heilungschancen, wenn ein Prostatakarzinom frühzeitig erkannt und behandelt wird. Die Gegner verweisen auf zahlreiche Überdiagnosen mit anschließender Übertherapie.

Kein PSA-Screening in den USA

In den USA hat die U.S. Preventive Services Task Force 2008 von einem PSA-Screening bei Männern über 75 Jahre abgeraten.1, 2 Seit 2012 wird generell darauf verzichtet – auch bei jüngeren Männern. Die der Entscheidung zugrunde liegende Studie3 hatte keinen Überlebensvorteil durch das PSA-Screening im Vergleich zur Tastmethode festgestellt. Eine Neubewertung zeigte, dass sich auch im Kontrollarm (Tastuntersuchung) zahlreiche Teilnehmer mindestens einem PSA-Test unterzogen hatten.4 Dies änderte nichts an der Empfehlung und dem Rückgang der PSA-Testung. Ob dies sich auf das Stadium und den Tumorgrad neu diagnostizierter Prostatakarzinome auswirkt, hat die Arbeitsgruppe um Jim Hu vom New York Presbyterian Hospital untersucht. Die Wissenschaftler werteten dazu die SEER-Daten (SEER: Surveillance, Epidemiology, and End Results) von mehr als einer Million Männern mit Prostatakarzinomen aus den Jahren 2004 bis 2013 aus. 2004 litten 6,6% der Betroffenen (75 Jahre oder älter) an einem Tumor, der bereits Fernmetastasen gebildet hatte. Diese Zahl blieb bis 2007 konstant, steigt aber seit dem Verzicht auf das PSA-Screening kontinuierlich an. 2013 betrug sie 12%. Auch der Anteil von Männern, die bei der Erstdiagnose Tumoren mit einem Gleason-Score von 7 bis 10 hatten, nahm zu: von 58% (2004) auf 72% (2013). Ähnliches beobachteten die Forscher auch bei jüngeren Männern. Zwischen 2004 und 2011 waren zwischen 2,7 und 2,9% der unter 75-Jährigen bei der Erstdiagnose von einem metastasierten Prostatakarzinom betroffen; 2013 waren es 4%. Auch die Rate an höhergradigen Tumoren nahm von 46 auf 56% zu.5

Ergebnisse vorsichtig interpretieren

In einem begleitenden Kommentar6 verweisen Charles Thomas Jr., Oregon Health Sciences University, Portland, und Yu Shyr, Vanderbilt University, Nashville, auf eine frühere Publikation, in der gerade bei jüngeren Männern keine nennenswerte Zunahme an fernmetastasierten Tumoren beschrieben wurde.7 Diese Diskrepanz führen die Autoren darauf zurück, dass bei der Inzidenz in der Regel natürliche Schwankungen auftreten. Zudem hätten die Teams jeweils unterschiedliche Methoden der Auswertung genutzt. Für den Kliniker bedeute dies, dass die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren seien.

Literatur: