Fachthema

AASLD 2016

Neue Daten zu HCV-Kombinationstherapien und NASH

Jatros, 22.12.2016
Univ.-Prof. DDr. h.c. Peter Ferenci
Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien

Hepatologie | Infektiologie

Auch heuer wurde im Rahmen des Jahreskongresses der American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD), 11.–15. November 2016 in Boston, eine Reihe neuer Daten zu direkt wirksamen antiviralen Substanzen (DAA) zur Behandlung der Hepatitis C präsentiert. Auch was die medikamentöse Therapie der nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) betrifft, gab es kleine Fortschritte zu berichten.

Hepatitis C

Seit der ersten Beschreibung der antiviralen Wirkung von Sofosbuvir vor 5 Jahren ist die Entwicklung rasant fortgeschritten. Mehrere Kombinationstherapien sind bereits zugelassen und in Österreich verfügbar (Viekirax/Exviera®, Harvoni®, Epclusa®), sie werden mit großem Erfolg eingesetzt. Mittlerweile wird bereits die zweite Generation von Anti-HCV-Medikamenten in der Phase III getestet (siehe Tab. 1, die neuen DAA sind fett gedruckt).
Bei der AASLD wurden 4 prospektive Studien von Gilead mit der Kombination Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir vorgestellt. Der Vorteil dieser Dreierkombination gegenüber Epclusa® ist marginal und wird vermutlich nur als „Rescuetherapie“ bei Patienten, bei denen die Standardkombination versagt hat, verwendet werden. Die Heilungsraten waren wie zu erwarten ±95%, ähnlich wie mit Epclusa®. Es traten keine ernsten Nebenwirkungen auf. Als neue Nebenwirkung wurden leichte Durchfälle beobachtet. Die Firma MSD hat einen neuen Polymerasehemmer entwickelt, der ähnlich potent wie Sofosbuvir ist (MK-3682) und in Kombination mit einem neuen NS5A-Hemmer (Ruzasvir) und Grazoprevir in der Phase III getestet wurde. Die Resultate lagen wiederum im Bereich ±95% und es war keine ernsten Nebenwirkungen zu verzeichnen. Ein Vorteil von MK-3682 könnte sein, dass die Resorption nicht von Säurehemmern beeinflusst wird.
Abbvie stellte eine neue Polymerase-freie Zweierkombination vor, mit hoher Aktivität gegen alle Genotypen. Die Ergebnisse, die mit dieser Kombinationstherapie erzielt wurden, lagen ebenfalls im Bereich ±95%.
Was bei keinem dieser drei neuen Regimes untersucht wurde, ist die Sicherheit bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose, da alle drei einen Proteasehemmer enthalten. Es wird erwartet, dass diese Substanzen im Laufe des nächsten Jahres bei der FDA/EMA zur Zulassung eingereicht werden. Die genaue Positionierung dieser neuen Therapien in der Behandlung der chronischen Hepatitis C ist nicht abzusehen. Vermutlich wird der Preis entscheidend sein.
Wir selbst haben heuer eine unerwartet hohe Anzahl von hepatozellulären Karzino­men (HCC) kurz nach Beendigung der erfolgreichen DAA-Therapie beobachtet (Kozbial K et al, J Hepatology 2016). Zu diesem Thema gab es auch bei der AASLD mehrere Beiträge aus verschiedenen Ländern, die diese Beobachtungen zum Teil bestätigen. Es scheint, dass besonders Patienten mit weit fortgeschrittener Leberzirrhose gefährdet sind. Diese Patientengruppe konnte früher nicht behandelt werden. Schlussfolgerung: Auch nach erfolgreicher Viruseradikation muss ein konsequentes HCC-Screening erfolgen. Die Patienten im Child-Pugh-Stadium (CPS) B und C haben daneben auch ein großes ­Risiko für das Auftreten von Spätkomplikationen wie Aszites, Ösophagusvarizenblutung oder hepatische Enzephalopathie (Abb. 1) mit dementsprechend erhöhter Mortalität.

Hepatitis B/D

Leider war auf dem Gebiet der Hepatitis-B- und -D-Therapie wenig Neues zu berichten. Die einzige – nicht mehr wirklich ganz neue – Entwicklung ist eine pharmakologische Verbesserung des Standardmedikaments Tenofovir (Viread®). TAF (Tenofovir Alafenamide, Vemlidy®) ist ein neues Salz von Tenofovir, welches bei gleicher Wirksamkeit mit nur einem Viertel der Tenofovirdosis auskommt und dadurch die (an sich minimalen) Langzeitnebenwirkungen von Viread® wie Osteoporose und Nierenfunktionseinschränkung verhindert.

Nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH)

Wie schon im Vorjahr lag der thematische Schwerpunkt auf der Problematik der Fettlebererkrankungen. Als wichtige Neuerkenntnis ist die Definition des primären Endpunktes für Phase-II- und -III-Therapiestudien zu nennen – eine Verbesserung der Leberfibrose auch bei unveränderter Stea­tose. Von den neuen Therapiestudien ist be­sonders die Kombination Selonsertib (potentes antiinflammatorisches Molekül, Hemmer der „apoptosis signal-regulating kinase“ [ASK1]) mit Simtuzumab (anti­fibrotisch wirkender Antikörper, welcher das LOXL2-Gen hemmt, das für die Lysyl­oxi­dase kodiert) zu erwähnen. Mit dieser Kombination konnte bei 43% der Patienten eine Besserung der Fibrose erreicht werden. n

Literatur: